Erläuterung Fachbegriffe

Energieberatung:

Vor der Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen (Dämmung von Dach oder Wand, Fenstererneuerung, Heizungserneuerung etc.) sollte zunächst ein Energieberater Ihr Gebäude analysieren. Eine solche Energiediagnose untersucht Ihr Gebäude gesamtenergetisch und dient als wichtige Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Sanierungsmaßnahmen, sodass sich der finanzielle Aufwand von einigen Hundert Euro schnell bezahlt macht.
Als Grundlage einer Energiediagnose werden Daten zum Gebäude und zur Anlagentechnik vor Ort erfasst, welche dann anhand einer Energiebedarfsberechnung ausgewertet werden. In einem Beratungsbericht werden die Einsparpotentiale dargestellt und Empfehlungen für sinnvolle Maßnahmen ausgesprochen.
In Baden-Württemberg sind die Energiesparberatung vor Ort und der Energie-Spar-Check als anerkannte Verfahren zu nennen. Diese werden von Architekten, Ingenieuren oder Handwerksbetrieben mit einer speziellen Zusatzqualifikation durchgeführt.

Energiesparberatung vor Ort:

Die Energiesparberatung vor Ort ist eine umfassende Gebäude-Energiediagnose im Rahmen eines bundesweiten Förderprogramms. Die Förderung wird über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) abgewickelt.
Eigentümer und Mieter von Wohngebäuden werden durch die Beratung von Experten dabei unterstützt, die in ihren Gebäuden vorhandenen Energieeinsparpotenziale zu erschließen.
Gefördert wird eine Vor-Ort-Beratung, die sich umfassend auf den baulichen Wärmeschutz, die Wärmeerzeugung und -verteilung sowie die Warmwasserbereitung und Nutzung erneuerbarer Energien bezieht und die durch besonders qualifizierte und unabhängige Architekten, Ingenieure oder Gebäudeenergieberater (Absolventen der Lehrgänge der Handwerkskammern) vorgenommen werden.
Die Beratung erfolgt nach festgelegten Maßstäben und gliedert sich in drei Phasen:

  • Erhebung des Ist-Zustandes
  • Beratungsbericht
  • persönliches Beratungsgespräch

Neben der Gegenüberstellung möglicher Sanierungsmaßnahmen gehört auch die Information zu staatlichen Fördermöglichkeiten zum Beratungsumfang.
Der Zuschuss zur Vor-Ort-Beratung beträgt derzeit 300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 360 Euro für Wohnhäuser mit mindestens drei Wohneinheiten, höchstens jedoch 50 Prozent der Beratungskosten.
Im Rahmen einer Vor-Ort-Beratung können zusätzlich auch Thermographien, Luftdichtigkeitstests sowie Stromsparberatungen gefördert werden.
Den Antrag auf einen Zuschuss übernimmt dabei der Energieberater. Er reicht vor Beginn der Beratung den Antrag online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein.
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Energie-Spar-Check:

Der Energie-Spar-Check ist ein kompaktes Angebot zur energetischen Bewertung von selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern. Die Durchführung wird durch das Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert. Das Angebot wurde gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Handwerkstag ins Leben gerufen und wird durch die Architektenkammer und die Ingenieurskammer unterstützt.
Speziell für die Energieberatung ausgebildete und qualifizierte Fachleute (insbesondere aus dem Handwerk) untersuchen Ihr Gebäude und stellen Ihnen mit dem Energie-Spar-Check in einem Zertifikat und einem Beratungsbericht die wichtigsten Informationen rund um den Energiebedarf Ihres Hauses zusammen. Die Beratung bezieht sich auf Einsparpotenziale bei Gebäudehülle und Gebäudetechnik, Möglichkeiten für eine sinnvolle Modernisierung, den Einsatz von erneuerbaren Energien sowie Informationen zu staatlicher Förderung. Die Urkunde und der Beratungsbericht werden in einem Beratungsgespräch erläutert.
Für die Durchführung eines Energie-Spar-Checks erhalten Sie derzeit einen Landeszuschuss von 100 Euro. Der Eigenanteil beträgt auf diese Weise nur 100 Euro.
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Energieausweis:

Der Energieausweis dokumentiert die energetische Qualität von Gebäuden. Er wurde 2008 im Zuge der Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) auch für bestehende Gebäude eingeführt. Durch die Angabe des Energiebedarfs in kWh pro m² und Jahr wird ein Vergleich mit anderen Gebäuden möglich. Die Vorlage eines Energieausweises ist bei Verkauf oder Vermietung von Häusern und Wohnungen erforderlich.
Im Energieausweis sind zum Teil auch Modernisierungstipps zur Energieeinsparung enthalten. Im Gegensatz zu der Energiesparberatung vor Ort oder dem Energie-Spar-Check handelt es sich aber nicht um eine umfangreiche Energiediagnose mit Beratungscharakter, sondern um eine Bestandserfassung des Energieverbrauchs. Im Zuge einer Energieberatung kann die Erstellung eines Energieausweises aber mit angeboten werden.
Es gibt zwei Arten des Energieausweises:

  • Beim Verbrauchsorientierten Energieausweis wird der Energieverbrauch der letzten 3 Jahre zu Grunde gelegt und auf die Gebäudenutzfläche bezogen. Er lässt sich einfach erstellen, gibt aber das individuelle Nutzerverhalten wieder und eignet sich so nur bedingt zur Bewertung des Gebäudes.
  • Der Bedarfsorientierte Energieausweis gibt einen errechneten Energiekennwert wieder, der auf der energetischen Qualität des Gebäudes beruht. Die Berechnung nach normierten Bedingungen erfolgt auf Basis der Energieeinsparverordnung. Bei Gebäuden bis 4 Wohneinheiten die vor dem 01.11.1977 errichtet wurden, ist nur der Bedarfsorientierte Energieausweis zulässig.

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Energieeinsparverordnung (EnEV):

Die Energieeinsparverordnung macht Vorgaben für die energetische Qualität von Neubauten, aber auch für die Sanierung von Gebäuden. Die Anforderungen betreffen sowohl den baulichen Wärmeschutz als auch die Effizienz der Heizungs- und Warmwasseranlage.
Wesentliches Element ist dabei der Nachweis des Jahresprimärenergiebedarfs pro m² Gebäudenutzfläche. Bei einer Gesamtsanierung darf der Jahresprimärenergiebedarf maximal 40 % über dem Höchstwert für Neubauten liegen. Soll nur ein Außenbauteil (z.B. die Außenwand) saniert werden, so müssen die Mindestanforderungen an dieses Bauteil eingehalten werden.
Weitere Bestandteile der Energieeinsparverordnung sind Nachrüstpflichten für den Gebäudebestand sowie Regelungen zur Ausstellung von Energieausweisen.
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Förderberatung:

Durch Förderprogramme werden energiesparende Sanierungsmaßnahmen und Investitionen in erneuerbare Energien attraktiver. Das Angebot an Investitionszuschüssen oder zinsgünstigen Krediten von Bund, Land oder Kommune ist vielfältig und unterliegt schnellen Veränderungen.
Um dabei den Überblick zu bewahren sollte die Förderberatung ein Bestandteil der Energieberatung sein, für welche Sie selbst Zuschüsse erhalten können. Auch Banken beraten Sie über Fördermöglichkeiten.
Einen Überblick über öffentliche Förderprogramme zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung bietet unter anderem auch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg.

Thermographie:

Die Thermographie stellt mit Hilfe einer Wärmebildkamera Oberflächentemperaturen von Körpern farblich dar. Sie dient vor allem auch zur Veranschaulichung von Wärmeverlusten über die Gebäudehülle. Das Verfahren beruht auf der Infrarotstrahlung, die ein Körper in Abhängigkeit seiner Oberflächentemperatur ausstrahlt. Thermographieaufnahmen werden bei niedrigen Außentemperaturen ausgeführt, da das Ergebnis von der Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur eines Gebäudes abhängt.
Thermographien können als ergänzende Untersuchungsmethode eingesetzt werden, um Schwachstellen mit einem erhöhten Wärmefluss oder auch Bauteildurchfeuchtungen aufzuspüren. Für die Durchführung ist die Erfahrung von Spezialisten erforderlich.

Luftdichtigkeitstest:

Über undichte Stellen in der Gebäudehülle kann Wärme unkontrolliert entweichen.
Mit einem Luftdichtigkeitstest (auch als Blower-Door-Test bekannt) kann die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle bestimmt werden. Dabei wird ein Ventilator in die Öffnung einer Außentür eingesetzt, der einen Unterdruck im Gebäudeinneren erzeugt. Durch die undichten Stellen in der Gebäudehülle strömt somit Luft von außen nach. Über den entsprechenden Unterdruck und das Luftvolumen kann die Luftdurchlässigkeit des Gebäudes ermittelt werden. Außerdem können die Schwachstellen mit einem erhöhten Luftzug geortet werden.
Der Luftdichtigkeitstest dient dazu, die Ausführungsqualität von Anschlussdetails zu überprüfen und gegebenenfalls erforderliche Nachbesserungen aufzuzeigen. Mit Maßnahmen zur Erhöhung der Luftdichtigkeit werden die Energieverluste minimiert, Feuchteschäden vermieden und der Nutzungskomfort gesteigert.

Hydraulischer Abgleich:

Damit in jedem Raum die Wärmemenge abgegeben werden kann, die der jeweiligen Heizleistung entspricht, müssen die Heizkörper mit der richtigen Warmwassermenge versorgt werden.
Bei einem hydraulischen Abgleich werden die Volumenströme im Heizungsverteilsystem durch entsprechende Ventileinstellungen so angepasst, dass die richtige Leistung über den Heizkörper abgegeben werden kann.
Häufig sind Heizungssysteme aber schlecht abgeglichen. Dies führt dazu, dass ein Heizkörper nicht richtig warm wird und ein anderer die Leistung nicht abgeben kann. Auf diese Weise geht unnötig Energie verloren.
Fachfirmen können die Heizlast ermitteln und die Volumenströme entsprechend anpassen.